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Jean Dujardin, der Genussmensch

Mai 2021

Treffen mit Jean Dujardin, der im Médoc geboren wurde

Von Marielle, Chefredakteurin 

Wir haben überlegt, wie wir Ihnen am besten verdeutlichen können, wie sehr das Weinbaugebiet Bordelais das beliebteste Reiseziel von all denen ist, die das Leben genießen. Und dann haben wir Jean Dujardin getroffen. Ich bin mit der Idee im Kopf losgefahren, Jean Dujardin (ja, er heißt tatsächlich wie der französische Oscargewinner!) ganz klassisch zu seiner Kindheit in der Gironde zu befragen. Und schließlich bin ich nach einem richtig tollen Austausch mit lebendigen und lebhaften Kindheitserinnerungen wieder nach Hause gefahren. Eine wahre Unterstützung des Reisegebietes und eine bleibende Begegnung mit jemandem, der das Médoc aufrichtig liebt.

Pulpe: Das Weinbaugebiet und Sie, das ist eine lange Geschichte, nicht wahr?

J.D: Ja, eine Geschichte, die es schon immer gibt: Meine Mutter stammt aus Lesparre, mein Vater aus der Normandie, und sie haben im Médoc geheiratet. Ich bin mit dem Weinbaugebiet großgeworden. Ich bin quasi als Kind mit meinem Vater und meinem Onkel, der selbst einen Weinberg besaß, in den Weinbau geplumpst, wie Obelix in den Zaubertrank. Ich habe noch immer Familie und Freunde dort, die ich oft besuche. Das ist ein Ort, den ich liebe, für seine Ruhe… und seine Geselligkeit!

Welche Ihrer Erinnerungen an den Weinberg reicht am längsten zurück?

J.D: Wir fuhren früher immer mit meinen Brüdern in unser Familienanwesen, heute noch! Wir haben querfeldein verstecken gespielt, kleine Hasen entdeckt, die ich unbedingt mit nach Hause nehmen wollte. Und ich habe noch den Geruch der Weinherstellung in der Nase. Dieser Weingeruch übrigens, der Geruch des Kellers, der Weinfässer, versetzt mich sofort in die Kindheit zurück: Mehr als Erinnerungen habe ich vor allem Empfindungen im Gedächtnis behalten.

Meine Erinnerungen sind auch stark mit dem Sommer verbunden, mit diesem besonderen Licht im Médoc, ganz allgemein im Südwesten. Die Spaziergänge in den Weinbergen, einfach diese Zeit für sich in völliger Ruhe und Gelassenheit. Im Sommer ist diese Landschaft fröhlich, im Winter wirkt sie fast melancholisch, wenn der Weinberg seine Blätter verliert. 

Sie reisen viel ins Ausland, welchen Eindruck hat man dort vom Bordelais?

J.D: Bordeaux hat noch immer den Ruf, für Exzellenz zu stehen. Es reicht, eine gute Flasche Wein aus Bordeaux auf den Tisch zu stellen, um begeisterte Gesichter zu sehen. Lustig ist, dass viele Ausländer oftmals gar nicht wissen, wo sie die einzelnen Appellationen ansiedeln sollen. Der Wein aus Bordeaux gehört zu den typischen Klischees, was aber kein Nachteil ist, das gehört dazu. Ein bisschen wie die Nouvelle Vague des Kino, wenn die Leute dann von Godard und Chabrol sprechen. Bei dem Wein aus Bordeaux ist das genauso, das ist quasi wie Edith Piaf für die Amerikaner, man verbindet Frankreich damit. Auch wenn es einen starken Markt an australischen und kalifornischen Weinen gibt, hat das Bordelais noch dieses besondere etwas mit Referenzen, die einfach Klassiker sind.

Was verbinden Sie sofort mit dem Weinbaugebiet?

J.D: Zunächst einmal meine Kindheitserinnerungen: Wenn wir uns Montalivet nähern, weckt der Duft der Kiefern die Lust in mir, mich in den Dünen zu verstecken und dieses besondere Licht wieder zu entdecken, und meine Gewohnheiten zu pflegen, wie ein Eis von Judici in Soulac. 

Und natürlich denke ich sofort an meine Brüder und Freunde und natürlich die Kinder! Es hängt einfach alles stark mit der Familie zusammen. Ich liebe es einfach, lange am Tisch zu sitzen, ein gutes Essen zu genießen, sogar im August, wenn man eigentlich gar nicht so deftig essen mag. Nein, ein Lamm mit Bohnen ist nicht das beste Rezept bei 35 Grad Hitze!

Ich gehe gerne auf den Markt in Soulac, um frischen Fisch zu kaufen, den ich dann auf der Plancha zu bereite. Das ist viel gesünder, aber ich weiß, dass nicht jeder diese Meinung teilt. Wenn ich hier herkomme versuche ich oft, eine leichtere Küche durchzusetzen, aber ist sehr schwierig. Nie fehlen darf einfach eine gute Entrecôte auf brutzelnden Weintrieben: Auch dieser Duft versetzt mich sofort in meine KIndheitsjahre zurück.

Ich kann auch nicht hier herkommen, ohne den Metzger zu besuchen, der in einem 900 Seelen-Dorf seine Produkte verkauft. Ich bin felsenfest überzeugt, dass seine Pastete die Beste auf der ganzen Welt ist. Eine Zeit lang bin ich oft in den Südosten Frankreichs gefahren, aber ich bin ganz natürlich wieder hier gelandet, das ist wie ein Rückzugsort.

Ich bin auch liebend gerne in Bordeaux, zum Beispiel für Vorpremieren. Dann kann ich so richtig von der Stadt und ihren hübschen Orte wie dem Intercontinental mit seinem fabelhaften Rooftop profitieren. Da ist man auch ganz in der Nähe dieser kleinen Bar, dem Calle Ocho, wissen Sie? Da gehe ich schon immer hin, ich fege sogar nach Ladenschluss einmal durch!

Und dann gibt es da noch das Surfen: Das ist zum Teil mit der französischen Filmkomödie Brice de Nice verbunden, die unter anderem auch in Hossegor gedreht wurde. Ich selbst surfe nur in der Gruppe. Es ist einfach viel lustiger. die anderen fallen zu sehen und nicht alleine den Spaß in den Wellen zu genießen. 

Welchen Wein aus dem Bordelais würden Sie dem Geheimagenten OSS 117 empfehlen?

J.D: Ein Mouton Rothschild, der passt doch ganz gut zu Hubert Bonisseur de la Bath, oder nicht? Ich habe übrigens Camille Rothschild beim Kinofestival Les vendanges du 7ème art in Pauillac kennengelernt, die mich dazu einlud, im letzten September mit meiner Familie bei der Weinlese zu helfen. Ich habe schon als ich kleiner war bei meinem Onkel mitgeerntet. Man verbringt den ganzen Tag im Weinberg, isst zusammen mit den Erntehelfern, den Freunden der Familie, das ist einfach eine ganz tolle Atmosphäre. Die Weinlese ist ja nun einmal eine unglaubliche, Jahrhunderte alte Arbeit: Ob man als Kind oder Erwachsener dabei hilft, ist das Ernten der Trauben unweigerlich ein Zeitsprung, der einen zum Wesentlichen zurückbringt. Man braucht immer beide Hände, eine Schere und einen kleinen Korb. In der Weinproduktion arbeiten immer noch sehr viele Menschen von Hand mit, das berührt mich genauso wie es mich fasziniert. Ich finde das ehrenvoll, denn es ist authentisch.

Und zu Tisch bei der Weinlese wird immer diese eine besondere Flasche herausgeholt, die kein Etikett hat und bei der wir uns denken: Mensch, was schmeckt das gut, was ist das für ein Wein? Aber dieses Geheimnis wird nie gelüftet…

Ach so, ich bin übrigens kein großer Weinkenner, ich habe so etwa das Niveau wie jeder andere, aber ich kann einen sehr schlechten und auch einen sehr guten Wein sehr wohl erkennen. Wenn die Flasche schnell leer wird, muss das wohl ein sehr guter Wein sein. 

Eine Verkostung in luftiger Höhe oder bei einem Yogakurs?

J.D: Auch hier wühle ich in meinen Erinnerungen, um die Frage zu beantworten: Ich liebe einfache, schlichte Verkostungen, wenn es sehr warm ist. Wenn Sie dann den Reifekeller betreten, wo es so herrlich kühl ist, dann kann man stundenlang jemandem zuhören, der etwas über den Wein erzählt. Da bin ich ganz einfach gestrickt: Mit einem Glas in der Hand kann ich ganz brav zuhören. 

Aber eine Verkostung auf einem Baum, das würde mich auch reizen! Das würde ziemlich gut zu mir passen!

……………. die Fortsetzung gibt es HIER! 

 

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